Schraubertipp: Motortemperatur im Sommer – Wann wird es wirklich kritisch?
Bei den aktuellen Temperaturen erreichen uns wieder viele Fragen zur Motortemperatur von klassischen Mustangs.
Die gute Nachricht zuerst:
Es ist völlig normal, dass die Temperaturanzeige im Sommer bis in den oberen Bereich oder sogar auf etwa 3/4 der Skala ansteigt.
Solange der Zeiger nicht dauerhaft im Bereich „H“ (High) steht oder Kühlwasser überkocht, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge.
Auf dem Bild sieht man die Temperaturanzeige eines Mustang von 1966. Genau in diesem Bereich bewegen sich viele Fahrzeuge an heißen Sommertagen.
Warum bewegt sich die Anzeige bei Oldtimern überhaupt?
Die Instrumente unserer Oldtimer zeigen die tatsächliche Kühlmitteltemperatur recht ehrlich an.
Bei modernen Fahrzeugen ist das oft anders. Dort wird die Anzeige elektronisch „beruhigt“. Obwohl die Kühlmitteltemperatur je nach Fahrzustand zwischen etwa 85 °C und über 100 °C schwanken kann, bleibt der Zeiger meist stur in der Mitte stehen. Erst wenn tatsächlich ein Problem auftritt, bewegt sich die Anzeige deutlich.
Bei einem klassischen Mustang sieht man diese natürlichen Temperaturschwankungen dagegen direkt auf der Anzeige.
Ein Thermostat gehört in jeden Motor
Immer wieder sehen wir Fahrzeuge ohne Thermostat oder mit einem sehr kalten 160°F (71°C) Thermostat.
Davon raten wir grundsätzlich ab.
Ein Motor, der zu kalt läuft,
verschleißt schneller,
verbraucht mehr Kraftstoff,
bildet mehr Kondenswasser,
und das Motoröl erreicht nicht seine optimale Arbeitstemperatur. Dadurch können sich Ablagerungen und Ölschlamm bilden.
Ford hat sich bei der Entwicklung etwas gedacht. Deshalb empfehlen wir die originalen Thermostate mit 180°F (82°C) oder 190°F (88°C).
Das originale Kühlsystem ist besser als sein Ruf
Viele glauben, ein Mustang brauche grundsätzlich einen 4-Reihen-Kühler oder einen Elektrolüfter.
Unsere Erfahrung zeigt etwas anderes.
Als die Fahrzeuge neu waren, wurden sie täglich gefahren – im Winter bei Schnee genauso wie im Hochsommer in Arizona oder Texas.
Das originale Kühlsystem funktioniert erstaunlich gut, wenn es technisch in Ordnung ist.
Ein größerer Kühler oder Elektrolüfter beseitigt häufig nur das Symptom, nicht die eigentliche Ursache.
Die häufigsten Ursachen für Überhitzung
Wenn ein Motor tatsächlich zu heiß wird, liegt das meist an einem verschmutzten Kühlsystem.
Typische Ursachen sind:
Rostablagerungen im Motorblock
zugesetzte Kühlwasserkanäle
verkalkte oder verstopfte Kühler
defekte oder falsche Thermostate
verschlissene Wasserpumpen
falscher Kühlerdeckel oder zu geringer Systemdruck
Wir empfehlen deshalb, das Kühlsystem regelmäßig mit einem Kühlsystemreiniger gründlich zu spülen.
Noch besser ist es, den Kühler auszubauen und entgegen der normalen Flussrichtung durchzuspülen. Oft kommen dabei erstaunliche Mengen Rost und Ablagerungen zum Vorschein.
Gerade vor dem Einbau eines neuen Kühlers sollte das komplette Kühlsystem gereinigt werden. Sonst wird der neue Kühler innerhalb kurzer Zeit wieder mit Rostpartikeln zugesetzt.
Zündung und Vergaser nicht vergessen
Auch die Motoreinstellung hat großen Einfluss auf die Kühlmitteltemperatur.
Eine falsche Zündeinstellung oder ein schlecht abgestimmter Vergaser können den Motor deutlich heißer laufen lassen.
Bevor teure Kühler oder Elektrolüfter verbaut werden, sollte deshalb immer zuerst überprüft werden:
Zündzeitpunkt
Unterdruckverstellung
Vergasereinstellung
Luft-Kraftstoff-Gemisch
Sehr oft liegt genau hier die eigentliche Ursache.
Noch zwei wichtige Punkte:
Viele erschrecken sich, wenn sie Kühlmitteltemperaturen von 95–105 °C messen. Das ist bei einem intakten Kühlsystem völlig normal. Durch den Systemdruck liegt der Siedepunkt des Kühlmittels deutlich über 100 °C. Deshalb sollte unbedingt ein passender Kühlerdeckel mit 13 lbs Öffnungsdruck verwendet werden. Ein verschlissener oder falscher Kühlerdeckel kann dazu führen, dass das Kühlmittel bereits deutlich früher kocht und über den Überlauf austritt.
Ebenfalls wichtig ist die Luftführung. Zwischen Lüfterflügel und Kühler sollte der Abstand möglichst nicht mehr als 2–3 cm betragen. Noch effektiver arbeitet das Kühlsystem mit einer Kühlerzarge (Fan Shroud), da sie die Luft gleichmäßig durch die gesamte Kühlerfläche saugt und nicht nur direkt vor dem Lüfter.
Unser Fazit
Ein klassischer Mustang darf im Sommer ruhig etwas wärmer werden.
Eine Temperaturanzeige im oberen Drittel oder bei etwa 3/4 der Skala ist an heißen Tagen völlig normal.
Entscheidend ist, dass das Kühlsystem sauber und technisch in Ordnung ist. Dann funktionieren selbst die originalen Komponenten meist problemlos – genau wie Ford sie vor über 50 Jahren konstruiert hat.




