# Der richtige Anlasser für den klassischen Mustang: Warum die Getriebeart allein nicht ausreicht
Bei der Bestellung eines Anlassers für einen klassischen Mustang wird häufig nur zwischen Automatik- und Schaltgetriebe unterschieden. Das klingt zunächst logisch, kann aber in bestimmten Kombinationen zum falschen Anlasser führen.
Genau diesen Fall hatten wir gerade bei einem Kunden. Sein Mustang besitzt ein Dreigang-Schaltgetriebe, weshalb ein sogenannter Schaltgetriebe-Anlasser eingebaut wurde. Der Anlasser funktionierte zunächst, nach einigen Monaten war das Anlasserritzel jedoch stark beschädigt. Auch die Zähne des Zahnkranzes waren bereits teilweise abgerieben.
Die Ursache war nicht die Qualität des Anlassers, sondern die falsche Eingriffstiefe.
## Zwei unterschiedliche Zahnkranzabstände
Bei den klassischen Ford-Small-Block-V8 gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Abstände zwischen der Anlagefläche des Anlassers an der Blockplate und der motorseitigen Kante des Zahnkranzes:
* 3/8″ beziehungsweise rund 9,5 mm
* 3/4″ beziehungsweise rund 19 mm
Oft wird die 9,5-mm-Ausführung als Schaltgetriebe-Anlasser und die 19-mm-Ausführung als Automatik-Anlasser bezeichnet. Diese vereinfachte Zuordnung trifft jedoch nicht auf jede Kombination zu.
Bei serienmäßigen Ford-Komponenten gilt üblicherweise:
* 164-Zähne-Schwungrad mit Schaltgetriebe: etwa 9,5 mm
* 164-Zähne-Flexplate mit Automatikgetriebe: etwa 19 mm
* 157-Zähne-Schwungrad oder Flexplate: etwa 19 mm – je nach Ausführung also auch beim Schaltgetriebe
Ein Mustang mit Schaltgetriebe kann deshalb durchaus den langen, häufig als Automatik-Ausführung angebotenen Anlasser benötigen.
Genau das war bei unserem Kunden der Fall: Trotz Dreigang-Schaltgetriebe betrug der gemessene Zahnkranzabstand rund 19 mm.
## Was passiert mit dem falschen Anlasser?
Wird bei einem Zahnkranzabstand von 19 mm der kürzere Anlasser für 9,5 mm eingebaut, greift das Anlasserritzel nicht weit genug in den Zahnkranz ein.
Der Anlasser kann den Motor zunächst trotzdem drehen. Die Zähne greifen aber nur teilweise ineinander und die auftretende Kraft verteilt sich nicht über die vorgesehene Zahnbreite. Stattdessen werden hauptsächlich die Kanten der Zähne belastet.
Mögliche Folgen sind:
* mahlende oder kratzende Geräusche beim Starten
* beschädigte Zähne am Anlasserritzel
* einseitig abgeriebene Zähne am Zahnkranz
* zeitweises Leerdrehen des Anlassers
* vollständiger Ausfall des Anlassers
Besonders ärgerlich wird es, wenn auch der Zahnkranz ersetzt werden muss. Dafür muss in der Regel das Getriebe ausgebaut werden.
## So wird der Abstand richtig gemessen
Für die Messung wird der Anlasser ausgebaut. Vorher muss die Batterie abgeklemmt und das Fahrzeug sicher abgestützt werden.
Gemessen wird anschließend:
1. von der Anlagefläche des Anlassers an der Blockplate
2. bis zur motorseitigen Vorderkante des Zahnkranzes
Das Maß wird möglichst gerade und im rechten Winkel zur Anlagefläche genommen.
Auf unserem Bild beträgt der Abstand rund 19 mm. Für diese Ausführung wird entsprechend ein Anlasser mit der passenden größeren Eingriffstiefe benötigt.
## Lässt sich der passende Anlasser an seiner Glocke erkennen?
Bei vielen klassischen Anlassern kann auch die Länge der vorderen Anlasserglocke einen ersten Hinweis geben.
Von der Anlagefläche bis zum vorderen Ende der Anlasserglocke gemessen, ergeben sich häufig ungefähr folgende Maße:
* kurze Ausführung: etwa 50 mm
* lange Ausführung: etwa 60 mm
Diese Maße eignen sich allerdings nur als zusätzliche Kontrolle. Je nach Hersteller, Anlasserausführung und Konstruktion können sie abweichen. Besonders moderne Mini-Anlasser lassen sich anhand dieser Glockenlänge nicht zuverlässig mit den alten Anlassern vergleichen.
Entscheidend bleibt deshalb immer der tatsächlich am Fahrzeug gemessene Abstand zum Zahnkranz.
## Auch die Zentrieröffnung kann unterschiedlich sein
Bei den beiden Ausführungen unterscheidet sich außerdem der Durchmesser der Zentrieröffnung in der Blockplate:
* bei 9,5 mm Zahnkranzabstand normalerweise rund 104,9 mm
* bei 19 mm Zahnkranzabstand normalerweise rund 103,7 mm
Der Unterschied ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Die Zentrierung ist aber wichtig, weil der Anlasser nicht allein durch seine Befestigungsschrauben exakt zum Zahnkranz ausgerichtet wird.
Da bei unseren Mustangs in den vergangenen Jahrzehnten häufig Motoren, Getriebe, Schwungräder und Blockplates miteinander kombiniert wurden, sollte man sich auch hier nicht ausschließlich auf die ursprüngliche Fahrzeugausstattung verlassen.
## Fazit
Ob ein Mustang ein Schalt- oder Automatikgetriebe besitzt, reicht zur sicheren Auswahl des Anlassers nicht immer aus.
Vor der Bestellung sollte deshalb der Abstand zwischen der Anlagefläche an der Blockplate und der motorseitigen Kante des Zahnkranzes gemessen werden:
* etwa 9,5 mm: Anlasser für 3/8″ Offset
* etwa 19 mm: Anlasser für 3/4″ Offset
Ein falsch ausgewählter Anlasser kann zunächst scheinbar normal funktionieren und trotzdem nach und nach das Anlasserritzel und den Zahnkranz beschädigen.
Einmal nachmessen dauert nur wenige Minuten. Der Austausch eines beschädigten Zahnkranzes dauert deutlich länger.




